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Was ist Akne inversa?

Akne inversa — in der Medizin auch Hidradenitis suppurativa (HS) genannt — ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung der Haarfollikel. Sie verursacht schmerzhafte Knoten, Abszesse und unter der Haut verlaufende Tunnelgänge, meist in Achseln, Leisten, unter der Brust und am Gesäß. In Deutschland sind schätzungsweise über 250.000 Menschen betroffen — Akne inversa ist damit weit häufiger, als ihre geringe Bekanntheit vermuten lässt.

Der Name ist irreführend: Mit gewöhnlicher Akne im Gesicht hat die Erkrankung nichts zu tun. Sie ist keine Frage mangelnder Hygiene und nicht selbst verschuldet — eine der wichtigsten Klarstellungen, die die S2k-Leitlinie zur Erkrankung trifft.

Wie erkennt man Akne inversa?

Die Leitlinie beschreibt drei sogenannte Primäreffloreszenzen — die drei Grundformen, in denen Akne inversa sichtbar wird: entzündliche Knoten, Abszesse und Tunnel. Diese drei Formen können einzeln oder gemeinsam auftreten und sich über die Zeit ineinander entwickeln.

Ein Hinweis zur Sprache: Die aktuelle Leitlinie verwendet durchgehend den Begriff „Tunnel" für das, was früher meist „Fistel" oder „Fistelgang" genannt wurde. Beide Begriffe meinen dieselbe Struktur — verbundene, unter der Haut verlaufende Gänge, die sich aus wiederkehrenden Entzündungen bilden. Hörst du von deiner Ärztin oder deinem Arzt noch „Fistel", ist damit dasselbe gemeint.

In fortgeschrittenen Stadien kommt es zu ausgedehnten Tunnelgängen mit deutlicher Vernarbung und weiterer Knotenbildung. Typisch dafür sind starke Schmerzen, Juckreiz und ein chronischer, oft übelriechender Ausfluss.

S2k-Leitlinie 013-012Kap. 4.4, Klinik, S. 27Original-PDF

Wo am Körper tritt Akne inversa auf?

Akne inversa entsteht fast ausschließlich in Hautarealen mit vielen apokrinen Schweißdrüsen. Am häufigsten betroffen ist die Leistenregion (90 %), gefolgt von den Achseln (69 %) sowie dem Damm- und Analbereich (37 %). Seltener, aber ebenfalls typisch: das Gesäß (27 %) und der Bereich unter der Brust (18 %). Deutlich seltener zeigen sich Veränderungen im Gesicht, am Brustkorb, hinter den Ohren oder auf der Kopfhaut.

Bei etwa 90 % der Betroffenen ist mehr als eine Körperregion betroffen — Akne inversa bleibt also selten an einer einzigen Stelle, und die Verteilung ist meist symmetrisch. Ein weiterer Zusammenhang: 23 bis 30 % der Menschen mit Akne inversa haben zusätzlich einen Pilonidalsinus, umgangssprachlich Steißbeinfistel.

S2k-Leitlinie 013-012Kap. 4.4.2, Befallmuster der HS/AI – Ausdehnung der Erkrankung, S. 27Original-PDF

Wie wird Akne inversa diagnostiziert?

Die Diagnose wird in erster Linie klinisch gestellt: durch Ansehen, Abtasten und, wenn nötig, vorsichtiges Sondieren von Tunnelgängen — nicht durch einen einzelnen Bluttest oder eine Bildgebung. Geachtet wird auf schmerzhafte, follikelgebundene Knoten, Abszesse, Tunnelgänge und Narben, vor allem an den oben beschriebenen typischen Stellen.

Ein wichtiges Kriterium: Traten in den letzten sechs Monaten mindestens zwei solcher Läsionen an diesen typischen Stellen wiederholt auf, spricht das laut Leitlinie mit einer Genauigkeit von 97 % für Akne inversa. Zur Diagnostik gehört auch die Familienanamnese — bei bis zu 30 % der Betroffenen findet sich eine familiäre Häufung. Bei Befall im Analbereich können Magnetresonanztomographie oder hochauflösender Ultraschall helfen, die Tiefenausdehnung der Tunnelgänge einzuschätzen.

S2k-Leitlinie 013-012Kap. 5.1, Diagnostik einschließlich Laboruntersuchungen, S. 33Original-PDF

Warum dauert die Diagnose oft so lange?

International vergehen im Schnitt 7,2 ± 8,7 Jahre von den ersten Symptomen bis zur richtigen Diagnose. In Deutschland ist die Verzögerung mit 10,0 ± 9,6 Jahren laut Leitlinie sogar noch länger. Besonders betroffen sind Menschen, bei denen die Erkrankung schon im Kindesalter beginnt — hier dauert die Diagnose im Schnitt noch länger, und die Erkrankung ist bei Diagnosestellung häufig bereits weiter fortgeschritten.

Die Leitlinie beschreibt dazu einen klaren Versorgungsweg: Der Hausärztin oder dem Hausarzt kommt eine Schlüsselfunktion zu — „alle Fäden sollten beim Hausarzt zusammenlaufen". Kann dort keine zeitnahe, eindeutige Diagnose gestellt werden, empfiehlt die Leitlinie eine umgehende Überweisung an eine Hautärztin, einen Hautarzt oder eine spezialisierte Hautklinik. Der Grund: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto größer sind laut Leitlinie die Behandlungserfolge.

S2k-Leitlinie 013-012Kap. 2.1.2–2.1.4, 5.1, Versorgungslage von Patienten mit HS/AI in Deutschland, S. 13Original-PDF

Wie häufig ist Akne inversa, und wer ist betroffen?

Weltweit sind schätzungsweise 0,40 % der Bevölkerung betroffen, in Deutschland rund 0,3 % — über 250.000 Menschen. In Klinikstudien werden Frauen deutlich häufiger diagnostiziert (bis zu fünfmal so oft); die einzigen bevölkerungsweiten Studien — darunter eine deutsche mit über 20.000 Menschen — zeigen dagegen ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern. Das deutet darauf hin, dass Männer seltener eine Diagnose erhalten, nicht, dass sie seltener erkranken.

Akne inversa tritt außerdem gehäuft zusammen mit anderen Erkrankungen auf: metabolischem Syndrom, Typ-2-Diabetes, Morbus Crohn und Depression. Als Ursache gelten eine Kombination aus Genetik, Hormonschwankungen, einer Fehlregulation des Immunsystems und Lebensstilfaktoren — ein einzelner, alleiniger Auslöser ist nicht bekannt.

S2k-Leitlinie 013-012Kap. 4.2, 5.1, Epidemiologie / Diagnostik einschließlich Laboruntersuchungen, S. 33Original-PDF

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Ärztinnen und Ärzte teilen Akne inversa meist nach dem sogenannten Hurley-Stadium ein — von vereinzelten Abszessen ohne Tunnel (Stadium I) bis zu ausgedehnten Tunnelgängen mit zahlreichen Narben (Stadium III). Für die Verlaufskontrolle zwischen Arztterminen kommt außerdem der IHS4-Score zum Einsatz, der Knoten, Abszesse und Tunnel zu einem Zahlenwert zusammenfasst. Beide Werte — und der DLQI, der die Auswirkung auf die Lebensqualität misst — sind Thema der nächsten Wissensseite.

Die Behandlung selbst richtet sich nach Stadium und Aktivität der Erkrankung und reicht von äußerlichen und innerlichen Medikamenten über Biologika bis zur Operation. Eine eigene Wissensseite dazu ist in Arbeit.

Diese Seite beschreibt, was über Akne inversa bekannt ist — sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn die beschriebenen Anzeichen auf dich zutreffen, ist der erste Schritt ein Termin bei deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder direkt bei einer dermatologischen Praxis.