Wissen · Ernährung

Ernährung bei Akne inversa

Die ehrliche Antwort zuerst: Die S2k-Leitlinie zu Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) macht keine konkrete Ernährungsempfehlung — keine Liste erlaubter oder verbotener Lebensmittel, keine Diätvorgabe. Was es gibt, sind einzelne Studien zu möglichen Zusammenhängen und die Erfahrung vieler Betroffener, dass Ernährung bei ihnen individuell eine Rolle spielt. Beides ist wertvoll — aber beides ist etwas anderes als eine belegte, allgemeingültige Regel.

Was sagt die Leitlinie zur Ernährung?

Anders als bei manchen anderen Themen hat die S2k-Leitlinie zu Akne inversa kein eigenes Kapitel zu Ernährung. Es gibt keine Liste empfohlener oder zu meidender Lebensmittel und keine Aussage zu bestimmten Nährstoffen.

Die einzige Stelle, an der Ernährung überhaupt vorkommt, steht im Kapitel zu Verbesserungsvorschlägen der Versorgung: Die Berichte und Erfahrungen von Patient:innen, beispielsweise zur individuellen Ernährung, können im Einzelfall hilfreich sein. Mehr sagt die Leitlinie dazu nicht — und genau das ist der Grund, warum die folgenden Abschnitte bewusst als Studienlage gekennzeichnet sind, nicht als Leitlinien-Empfehlung.

S2k-Leitlinie 013-012Kap. 2.1.5, Wie kann die betroffene Person den Genesungsprozess ihrerseits unterstützen?, S. 14Original-PDF

Welche Lebensmittel werden häufig als Trigger diskutiert?

Die folgenden Punkte stammen aus einzelnen Studien — unter anderem einer systematischen Übersichtsarbeit im Journal of the American Academy of Dermatology (2019) — nicht aus der Leitlinie. Diskutiert werden vor allem: Zucker und Süßes (im Zusammenhang mit Insulinspitzen), Milchprodukte (enthalten Wachstumshormone und Kasein), stark verarbeitete Lebensmittel, Weißmehlprodukte, Alkohol und regelmäßiger Verzehr von rotem Fleisch.

Ob einer dieser Punkte bei dir tatsächlich eine Rolle spielt, ist damit noch nicht gesagt — die Studienlage zeigt mögliche Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen, und was bei einer Person auffällt, muss bei einer anderen nichts bedeuten.

Was zeigen Studien zu entzündungshemmender Ernährung?

Ebenfalls aus Einzelstudien, nicht aus der Leitlinie: Eine mediterrane Ernährungsweise zeigte in Untersuchungen positive Effekte auf den HS-Schweregrad. Diskutiert werden außerdem Omega-3-reiche Lebensmittel wie Lachs, Makrele oder Leinsamen, viel Gemüse und Obst wegen ihrer antioxidativen Wirkung sowie ballaststoffreiche Kost, die über die Darmflora auf die Haut-Darm-Achse wirken könnte.

Auch Kurkuma wird häufig genannt — der enthaltene Wirkstoff Curcumin hemmt in Laboruntersuchungen einen bestimmten Entzündungsweg (NF-κB). Ob sich das im Alltag spürbar auswirkt, ist individuell verschieden.

Welche Lebensmittel wirken individuell unterschiedlich?

Für einige Lebensmittel gibt es keine einheitliche Studienlage, weil die Wirkung offenbar stark von Person zu Person variiert: Nüsse gelten bei manchen als Trigger, bei anderen eher als entzündungshemmend. Eier sind für die meisten unproblematisch. Gluten spielt in der Regel nur bei nachgewiesener Zöliakie oder Sensitivität eine Rolle. Kaffee wird in Mengen von ein bis zwei Tassen täglich meist gut vertragen — mehr kann den Cortisolspiegel erhöhen, was wiederum Stress und darüber möglicherweise auch Schübe begünstigen kann.

Genau für diese Fälle ist Dokumentation gedacht: Nicht, um eine allgemeine Regel zu bestätigen, sondern um herauszufinden, was bei dir persönlich zutrifft.

Wie wichtig ist ausreichend Trinken?

Häufig empfohlen werden mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich, ergänzt durch ungesüßte Kräutertees. Zuckerhaltige Getränke wie Cola, Fruchtsäfte oder Energy-Drinks werden dagegen mit erhöhten Insulinspiegeln und vermehrter Entzündung in Verbindung gebracht — auch hier gilt: ein Zusammenhang aus der Literatur, keine Leitlinien-Empfehlung.

Nichts auf dieser Seite ist eine Ernährungsempfehlung oder ein Versprechen auf Besserung. Es sind Beobachtungen aus der Forschung und aus Patient:innen-Erfahrung, die dir helfen können, deine eigenen Zusammenhänge zu erkennen. Größere Ernährungsumstellungen — insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen — besprichst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Ernährungsberatung.